E-Learning: Instructional Design
Effektives E-Learning
E-Learning ist nicht gleich E-Learning. Oft sind Onlinekurse vor allem bunt - aber nicht lehrreich. Mit diesen Tipps ist effektives E-Learning kein Zufall.
1. Die richtige Vermittlungsstrategie
Einen Meilenstein in der Entwicklung des Instructional Design markiert
Gagnés Buch "Conditions of Learning" von 1965. In "Conditions of
Learning" (aktuell:
Principles of Instructional Design) bricht der amerikanische Psychologieprofessor mit der Vorstellung, dass es
eine optimale Instruktion für alle Art von Wissen geben kann. Die
Vermittlungsstrategie - so Gangné - muss dem jeweiligen Wissen-Bereich
angepasst werden.
Bei der Vermittlung von Wissen ist es nach Gagné erforderlich, die Anforderungen und
Ziele genau zu analysieren. Gagné hat dafür eine Hierarchie intellektueller
Fähigkeiten entwickelt. Auf der untersten Schwierigkeitsstufe
befindet sich die Fertigkeit, bestimmte Dinge wieder zuerkennen. Auf der
obersten Stufe ist das Problemlösen angesiedelt.
Eine gute Vermittlungsstrategie beginnt auf der untersten Stufe:
- Dinge erkennen und unterscheiden
- Verwendung konkreter Konzepte
- Verwendung definierter Konzepte
- Anwendung von einfachen Regeln
- Anwendung von Regeln höherer Ordnung
Besonders bekannt wurde Gagné mit seiner Vorstellung von gutem Unterrichtsablauf. Es
sind neun Unterrichtsereignisse, die das Lernen fördern: -
Aufmerksamkeit wecken
- Lernziele verdeutlichen
- In Erinnerung rufen, was bereits bekannt ist
- Vermittlung neuer Inhalte
- Anleitung zum Lernen geben
- Selbständig üben
- Rückmeldung über Fortschritte
- Erfolgssmessung durch Tests
- Transfer in den Alltag anregen
Kalter Kaffee? Keinesfalls! E-Learning hat zwar die Lerntechnologien verändert, aber nicht die Art und Weise, wie Fakten im Kopf zu Wissen werden.
Gagné lernen
2. Personalisieren und Individualisieren
Fred Keller - ein Weggefährte von Skinner - arbeitet während des 2. Weltkriegs für die U.S. Army und entwickelt ein sehr erfolgreiches Lehrprogramm für Funker.
Mit Hilfe von kleinen Lerneinheiten, passt er das Lernen genau die Fähigkeiten der Soldaten an. Die Lerneinheiten umfassen ein Lehrziel und einen Test. Die Tests müssen mit 90% der Punkte bestanden werden. Erst dann geht's zur nächsten Lerneinheit.
Im Jahr 1968 veröffentlicht Keller den Artikel "Good-bye, Teacher!", der ihn weltbekannt macht. Mit der Idee, das Lernen mit Hilfe von modularen Lerneinheiten zu personalisieren wird Keller zum Begründer der heutigen Learning Object Technology.
Aktuelle Studien zeigen, dass Wissensvermittlung nicht nur besser klappt, wenn die Inhalte an die Fähigkeiten und das Vorwissen der Lerner angepasst (Individualisierung) sondern auch, wenn die Lerner persönlich angesprochen werden (Personalisierung)
3. Weniger ist mehr
Das Kurzzeitgedächtnis kann Informationen maximal für etwa 9 Sekunden speichern. Informationen, die während dieser Zeit nicht in das Langzeitgedächtnis übergehen, sind verloren. Sie gelangen jedoch nur dorthin, wenn der Lerner nicht abgelenkt wird, z.B. durch blinkende Bilder, zu viel Interaktivität oder eine zu komplizierte Navigation.
Zudem passen nur fünf bis neun Informationseinheiten gleichzeitig ins Kurzzeitgedächtnis. Doch was ist eine "Informationseinheit"? Während beim Computer die Informationseinheiten immer gleich groß sind, besteht eine achtstellige Ziffer für eine Person aus acht Informationseinheiten, für eine andere Person hingegen nur aus einer - weil es sich um das eigene Geburtsdatum handelt. Es bringt also nicht, mehr als 7 neue Informationen gleichzeitig darzustellen.
Experten eines bestimmten Sachgebiets zeichnen sich dadurch aus, dass für sie die Informationseinheiten deutlich größer sind als für Laien. So muss sich ein astronomischer Laie die Positionen der einzelnen Sterne merken, während der Experte Sternzeichen erkennt. Daher: Besonders für Anfänger nur wenige neue Informationen gleichzeitig einführen.
4. Verständliche Texte
Einen Text verständlich zu schreiben, ist nicht weiter schwierig, wenn vom Autor
wenige Regeln befolgt werden. Nach Reinhard Tausch und Friedemann Schulz von Thun zeichnet
sich ein verständlicher Text durch vier Eigenschaften aus: 1. Einfachheit (kurze
Sätze, geläufige Wörter, anschauliche Formulierungen)
2. Klare Gliederung (roter Faden ist sichtbar, klare Struktur, logischer Aufbau)
3. Kürze (auf das Wesentliche beschränken, nicht vom Thema abschweifen)
4. Anregung (Problembezug, Beispiele)
5. Vertonen statt zutexten
Für den Lernerfolg entscheidend: Die richtige Kombination von Text, Bild, Ton und
Film. Der führende Forscher auf diesem Gebiet, Richard Mayer (The
Cambridge Handbook of Multimedia Learning ), der führende Multimedia-Forscher,hat die Grundsätze
für den effektiven Einsatz von Multimedia so beschrieben:
1) Es ist besser, Sachverhalte nicht nur verbal zu beschreiben, sondern gleichzeitig auch
visuell mit Bildern und Animationen darzustellen, denn so wird sowohl der
verbale als auch der visuelle Kanal angesprochen.
2) In diesem Fall sollten die verbalen Informationen besser durch gesprochene Sprache
vermittelt werden und nicht als Text. Dieser würde die Aufnahme der visuellen
Informationen beeinträchtigen.
3) Beides ist vor allem für Anfänger von Bedeutung.
Beispiele: Animationen sollten mit Hilfe von gesprochener Sprache erläutert werden - nicht durch Text.
6. Selbst entdecken
Menschen lernen nicht nur dadurch, dass sie Texte lesen und Bilder anschauen, sondern vor allem indem sie selbständig Aufgaben bearbeiten und Probleme lösen, Wissen anwenden und experimentieren. Gutes E-Learning gibt dazu die Möglichkeit. In einer Studie ließen Wissenschaftler einige Studenten einen Blog schreiben, die anderen nicht. Es war wohl keine Überraschung, dass die Blogger viel besser gelernt hatten, denn sie mussten sich aktiv mit dem Stoff auseinandersetzen.
7. Motivation zu neuen Taten
Wissen erwerben und Wissen anwenden sind nicht das Gleiche. Erst wenn der Lerner das notwendige Zutrauen hat, wird er sein neues Wissen auch einsetzen. E-Learning muss daher auch Zutrauen aufbauen. "Du kannst es schaffen - Schaka!" ist gar nicht so dumm. Berliner Wissenschaftler konnten zeigen, dass Menschen viel länger an Aufgaben knobeln, wenn sie davon überzeugt sind, eine Lösung finden zu können.
8. Austausch und Rückmeldung
Wer lernt schon gerne für sich allein? Wer hat nicht mal eine Frage, die er loswerden muss? Wer braucht nicht ab und zu Zuspruch von anderen. Foren und Chats holen den E-Lerner aus seiner Isolation. Alle Beteiligten helfen sich gegenseitig und oft fallen noch sehr brauchbare Vorschläge zur Verbesserung der Inhalte ab.
9. Weiteres
Auf einige zusätzliche wichtige Funktionen kann kein effektives E-Learning verzichten.
Dazu gehört z.B.
- ein Glossar
- ein Inhaltsverzeichnis
- eine Suche
- ein Bewertungsformular
- eine Möglichkeit Lesezeichen zu setzen und persönliche Kommentare zu
verfassen
- eine Möglichkeit, Inhalte herunterzuladen und auszudrucken
Beispiele für gutes E-Learning
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